Notation

Beats aufschreiben — ohne Noten

Wer bis vier zählen kann, kann diese Notation lesen. Sie kommt ohne Notenlinien aus und ist in fünf Minuten erklärt.

Rhythmus zu notieren ist im Musikunterricht ein wunder Punkt. Klassische Notation setzt voraus, dass Kinder Notenwerte kennen — und genau daran scheitern viele, bevor sie überhaupt zum Musizieren kommen. Für Beatbox haben wir deshalb ein eigenes System entwickelt. Es steht in beiden unserer Bücher und wird in Workshops seit 2006 verwendet.

Das Prinzip

Die Notation im Überblickll:btskts|btshits:llWiederholung: Anfang und EndeEin Sound, ein SchlagEinatmenTaktstrich
Ein Takt in der Beatbox-Notation. Mehr Zeichen gibt es nicht.

Jeder Sound bekommt ein Kürzel, jeder Schlag einen Platz. Der Rest ist Lesen von links nach rechts.

b     = Kick Drum
ts    = Hi-Hat
k     = K-Snare
ksch  = Snare
hi    = einatmen

Aneinandergereiht ergibt das einen Beat. Die Trennzeichen ll: und :ll markieren Anfang und Ende einer Wiederholung — wie das Wiederholungszeichen in der klassischen Notation, nur ohne Notenlinien.

ll:  b - ts - k - ts  :ll        60 BPM

Der Taktstrich | trennt die Takte:

ll:  b - ts - k - ts | b - ts - hi - ts  :ll

Und das ist bereits die vollständige Notation. Es gibt nichts weiter zu lernen.

Das Beatdiktat

Die Notation macht eine Übung möglich, die es sonst nur mit Noten gibt: das Diktat. Du sagst der Gruppe einen Beat an, die Kinder haben die Augen geschlossen, hören zu und schreiben ihn danach auf. Am Ende schreibst du die Lösung an die Tafel.

Das schult drei Dinge gleichzeitig — genaues Hinhören, die Unterscheidung von Kick, Hi-Hat und Snare, und die Schreibweise selbst. Und es ist die einzige Übung in diesem Bereich, bei der Kinder still sind.

Achte darauf: Leicht beginnen und den Schwierigkeitsgrad erst dann steigern. Auf geschlossene Augen hinweisen — es hilft tatsächlich beim Heraushören.

Beats aus Karten bauen

Der zweite Weg führt über Kärtchen. Jedes Kärtchen trägt einen Sound. Die Kinder legen sie nebeneinander und haben damit einen Beat, den sie verschieben, umstellen und ausprobieren können, ohne etwas zu radieren.

B - Z - B - Z              vier Kärtchen  = ein Takt
B - Z - B - Z - Z - Z - K - Z   acht Kärtchen = zwei Takte

In Vierer- oder Fünfergruppen bekommt jede Gruppe die Aufgabe, zwei Beats zu bauen — einen mit vier Kärtchen, einen mit acht. Am Ende werden die Kärtchen auf ein Plakat geklebt und in der Klasse aufgehängt. Kinder schauen sich diese Plakate in Pausen tatsächlich an und rekonstruieren die Beats.

Die Kärtchen kannst du vorbereitet ausgeben oder leer — dann schreiben die Kinder die Sounds selbst darauf.

Warum eine eigene Notation und nicht die übliche

Es gibt einen Einwand dagegen, und er ist berechtigt: Warum ein System lernen, das nur für Beatbox gilt?

Die Antwort ist praktisch. Ein Kind, das in der fünften Schulstufe zum ersten Mal einen Beat aufschreibt, soll dabei nicht gleichzeitig Notenwerte lernen. Wenn der Rhythmus einmal sitzt und aufgeschrieben werden kann, ist der Weg zur klassischen Notation kürzer, nicht länger — die Struktur ist schon verstanden, es fehlt nur die andere Schreibweise.

Und für Kinder, die sich für unmusikalisch halten, ist es der erste Moment, in dem sie etwas Musikalisches lesen können. Das ist mehr wert, als es klingt.

In den Kursvideos steht die Notation unter jedem Beat — kostenlos, ohne Anmeldung, auch zum Vorspielen im Unterricht.

Zu den Videos

Das didaktische Konzept hinter diesen Übungen haben Thomas Rieder und Werner David Wiechenthaler gemeinsam entwickelt und in Workshops seit 2006 erprobt. Daraus entstand auch „The Real Beatbox School“, erschienen beim Doblinger Musikverlag Wien.

Weitere Übungen

Alle Übungen im Überblick: Beatbox-Übungen für Gruppen.