Einstieg

Beatbox im Musikunterricht: so gelingt die erste Stunde

Kein Instrument, kein Technikraum, keine eigene Beatbox-Erfahrung nötig. Fünfzig Minuten und eine Klasse, die Lust auf Lärm hat, reichen.

Wir unterrichten seit 2006 Beatbox an Schulen – an Musikuniversitäten, in Lehrerfortbildungen und in Klassenzimmern von der fünften Schulstufe aufwärts. Was hier steht, ist die Reihenfolge, die sich dabei durchgesetzt hat. Und der Fehler, den wir am Anfang selbst gemacht haben.

Der häufigste Fehler: mit den Sounds anfangen

Es liegt nahe, mit der Kick Drum zu beginnen. Einen Sound vorzeigen, nachmachen lassen, den nächsten. In der Praxis verliert man damit die halbe Klasse. Wer den Ton nicht sofort trifft, hält sich für unmusikalisch und steigt innerlich aus – oft für den Rest der Stunde.

Der Umweg über Wörter ist schneller. Kinder können „böse Katze“ auf Anhieb. Und in diesen beiden Wörtern steckt bereits ein vollständiger Beat.

Die Stufenfolge in sechs Schritten

Die sechs Schritte zum ersten Beat1Atmung2Wörter3Mischform4Beat5Sounds6Aufnehmen
Erst die Atmung, zuletzt die einzelnen Sounds – nicht umgekehrt.

1. Atmung

Nicht zu viel einatmen, nicht zu viel ausatmen. Als Vorübung ganz ohne Sounds, im Sprechrhythmus:

ll:  f - s - he - s | f - s - hi - s  :ll        langsam

Bei hi wird eingeatmet. Das wirkt banal und entscheidet später darüber, ob ein Kind einen Beat durchhält oder nach acht Takten aussteigt.

2. Wörter

ll:  bö - se - ka - tze | bö - se - hi - tze  :ll

Gemeinsam, mehrmals, im Sprechrhythmus. In diesem Schritt können alle mit – auch die, die sich für unmusikalisch halten.

3. Mischform

Dieselben Wörter, aber die harten Laute deutlicher und kräftiger als beim normalen Sprechen:

ll:  bö - tse - ka - tse | bö - tse - hi - tse  :ll

Die Klasse merkt an dieser Stelle meist selbst, dass es schon nach Schlagzeug klingt. Das ist der Moment, in dem die Stunde kippt.

4. Der Beat

Jetzt fallen die Vokale weg:

ll:  b - ts - k - ts | b - ts - hi - ts  :ll        60 BPM

Das ist ein echter Beat, und die Klasse hat ihn in unter zehn Minuten – ohne dass ein einziger Sound isoliert geübt wurde.

5. Die Sounds einzeln

Erst jetzt lohnt es sich, sie herauszulösen und zu verbessern:

ll:  b - b - b - b | ts - ts - ts - ts | k - k - k - k  :ll

6. Aufnehmen

Handys erlauben. Wer den Beat aufnimmt, übt ihn am Nachmittag weiter – und kommt in der nächsten Stunde weiter, als du erwartest.

Die drei Sounds im Detail zeigen wir in den Kursvideos – kostenlos, ohne Anmeldung, auch zum Vorspielen im Unterricht geeignet.

Zu den Videos

Ein Spiel, das immer funktioniert: das Klassenschlagzeug

Die drei DirigierzeichenbHände nach untentsHände zur SeitekschHände nach oben
Die drei Zeichen: Hände senken, öffnen, heben.

Teile die Gruppe in drei Gruppen, die mit etwas Abstand nebeneinander stehen oder sitzen. Jede Gruppe bekommt einen Sound: Bass Drum b, Hi-Hat ts, Snare ksch.

Du dirigierst zuerst selbst. Hände nach unten senken heißt b, Hände offen zur Seite heißt ts, Hände geschlossen nach oben heißt ksch. Langsam und deutlich vorzeigen, einen Probedurchgang machen – und dann ein Kind nach vorne holen, das dirigiert.

Das ist der eigentliche Punkt des Spiels. Jedes Kind kann hier eine Führungsrolle einnehmen, unabhängig von seiner Rolle in der Klasse. Wer sonst nie bestimmt, bestimmt hier über dreißig Leute.

Worauf Sie achten sollten

Wähle nur vier bis fünf Kinder als Dirigierende aus – sonst wird es für den Rest langweilig und die Disziplin bricht weg. Weise die Dirigierenden auf deutliche Zeichengebung hin. Und greife bei undiszipliniertem Verhalten sofort ein: Der Hinweis, dass jeder selbst noch dirigieren darf und dann auch möchte, dass alle mitmachen, reicht in der Regel.

Warum das auch bei „unmusikalischen“ Kindern funktioniert

Wer in der Intonation unsicher ist, kann trotzdem ein sehr gutes Rhythmusgefühl haben. Wer motorisch eher unkoordiniert ist, hört oft genau heraus, wann die Gruppe auseinanderläuft. Beatbox macht Stärken sichtbar, die beim Singen untergehen.

Dazu kommt ein Effekt, den wir in kaum einem anderen Musikbereich so deutlich sehen: Jedes Kind hat sein Instrument immer dabei und kann fast überall üben. Anfangs schwächere Kinder überholen dadurch begabtere innerhalb weniger Wochen – wenn sie üben.

Was Sie für die nächste Stunde brauchen

Das didaktische Konzept hinter diesen Übungen haben Thomas Rieder und Werner David Wiechenthaler gemeinsam entwickelt und in Workshops seit 2006 erprobt. Daraus entstand auch „The Real Beatbox School“, erschienen beim Doblinger Musikverlag Wien.

Weitere Spiele findest du hier: Acht Rhythmusspiele ohne Instrumente.

Weitere Übungen

Alle Übungen im Überblick: Beatbox-Übungen für Gruppen.