Spiele
Acht Rhythmusspiele ohne Instrumente
Kein Material, kein Aufbau, keine Vorbereitung. Diese Spiele brauchen eine Klasse und etwas Platz — mehr nicht.
Rhythmus lässt sich schlecht erklären und gut spielen. Die folgenden acht Spiele stammen aus unseren Schulworkshops und sind dort seit 2006 in Gebrauch. Sie üben Takt, Zuhören und Koordination — nur merkt es niemand.
Alle arbeiten mit drei Sounds: Kick Drum b, Hi-Hat ts, Snare k oder ksch. Kennt deine Gruppe die noch nicht, beginne mit der ersten Stunde — das dauert zehn Minuten.
Bevor es losgeht
Bei manchen Spielen gibt es Anlaufschwierigkeiten. Lass dich davon nicht abschrecken. Meist liegt es daran, dass die Regel zu kompliziert erklärt wurde oder die Klasse noch nicht im Fluss ist. Beides gibt sich nach zwei Durchgängen.
Drei Dinge gelten für alle acht: langsam beginnen, einmal selbst vormachen, und den Spielfluss nicht durch Erklärungen zerreden.
Die acht Spiele
1. Klassenmetrum
Das einfachste und zugleich lehrreichste. Die Klasse steht im Kreis und macht reihum, eines nach dem anderen, den Sound ts. Ein Metronom gibt das Tempo vor, zu Beginn 65 Schläge pro Minute.
ll: ts - ts - ts - ts :ll 65 BPM
Klingt trivial, ist es nicht. Binnen einer Minute wird der Klasse klar, wie schwer es ist, gemeinsam ein Tempo zu halten — und das ist die Lektion. Später Tempo erhöhen, dann das Metronom weglassen und schauen, wie lange die Gruppe zusammenbleibt.
Achte darauf: In der ersten Runde zeigen, wer dran ist. Danach läuft es allein.
2. Trainbeat
Die Klasse bildet einen Zug, hintereinander oder im Kreis. Du gibst einen Beat vor, jedes Kind übernimmt reihum einen Sound daraus.
ll: b - ts - k - ts :ll
Nach ein paar Proberunden scheidet aus, wer den falschen Sound macht, und setzt sich. Das Spiel lässt sich mehrmals hintereinander spielen und wird jedes Mal schneller.
Achte darauf: Wenn immer dieselben Kinder denselben Sound bekommen, mach selbst mit — dadurch verschiebt sich die Reihenfolge und alle üben alles.
3. Beatball
Die Klasse steht im Kreis und wirft sich einen weichen Ball zu. Wer wirft, macht gleichzeitig einen Sound — die erste Person b, die zweite ts, und so fort. Es entsteht ein Beat, der durch den Raum wandert.
ll: b - ts - b - ts :ll
Ohne Ball geht es auch: Der Wurf wird nur angedeutet. Entscheidend ist ohnehin nicht der Ball, sondern der Blickkontakt davor.
Achte darauf: Vor jedem Wurf Blickkontakt aufbauen, den Kreis nicht zu groß machen, und bei zu harten Würfen sofort einschreiten.
4. Dynamik und Tempo
Du gibst der Gruppe einen Beat vor und dirigierst dazu. Hände öffnen heißt lauter, Hände zusammenführen leiser. Hände Richtung Kopf heißt schneller, Hände Richtung Füße langsamer.
Danach übernehmen vier bis fünf Kinder das Dirigieren. Das Spiel macht nebenbei begreiflich, was Dynamik in der Musik überhaupt bedeutet — ein Begriff, der sonst abstrakt bleibt.
Achte darauf: Nicht zu laut beginnen, und bei grobem Dirigieren eingreifen. Die feinen Handbewegungen sind der Punkt.
5. Nachahmspiel
Die Klasse steht im Kreis, Du machst einen Beat mit einer Körperbewegung vor, alle ahmen nach. Nach einer Weile klatschst du in Richtung eines Kindes — jetzt ist es dran und erfindet selbst einen Beat mit Bewegung. Es gibt weiter, indem es in Richtung eines anderen klatscht.
Das Spiel läuft ohne Ihr Zutun weiter, sobald es einmal angestoßen ist. Genau deshalb funktioniert es.
Achte darauf: Die Weitergabe deutlich zeigen, sonst entsteht Verwirrung darüber, wer gerade führt.
6. Beatchain
Wie das Wortkettenspiel, nur mit Beats: Der letzte Sound eines Beats wird zum ersten des nächsten.
ll: b - ts - b - k :ll → ll: k - ts - b - ts :ll → ll: ts - b - ts - b :ll
Das verlangt hohe Aufmerksamkeit — man muss den Beat des Vorgängers zu Ende hören, bevor man den eigenen beginnen kann. Im Sesselkreis gut spielbar.
Achte darauf: Langsam beginnen und in der ersten Runde Hilfestellung geben.
7. Secret Beat
Stille Post mit Beats. Ein Kind denkt sich einen Beat aus, schreibt ihn auf einen Zettel und flüstert ihn dem Nachbarn ins Ohr. So wandert er durch den Kreis. Am Ende vergleicht man, was ankam, mit dem Zettel.
Die Erkenntnis am Schluss ist der eigentliche Ertrag: Einen Rhythmus exakt wiederzugeben, den man gerade erst gehört hat, ist deutlich schwerer als gedacht.
Achte darauf: Der Zettel ist Pflicht. Sonst vergisst auch das erste Kind den ursprünglichen Beat, und das Spiel hat keine Auflösung.
8. Beatrobot
Alle stehen in einer Reihe, ein Kind dirigiert. ts heißt einen Schritt nach vorn, b nach links, k oder ksch nach rechts. Die Klasse bewegt sich als Ganzes durch den Raum.
Als Variante mit nur einem Kind: Start- und Zielpunkt festlegen, und das dirigierende Kind lotst die Mitschülerin mit Sounds ins Ziel. Mit Augenbinde wird daraus ein Vertrauensspiel. Zwei Teams können gegeneinander antreten.
Achte darauf: Langsam beginnen und die Zuordnung Sound zu Richtung deutlich vorzeigen.
Welches Spiel wofür
Wenn die Klasse aufgedreht ist, beruhigt das Klassenmetrum — es zwingt zur Konzentration auf ein langsames Tempo. Wenn sie müde ist, bringt Beatrobot oder Beatball Bewegung hinein. Für die letzten zehn Minuten einer Stunde eignet sich Secret Beat, weil es leise ist und trotzdem alle beteiligt.
Und wenn Sie einmal nichts vorbereitet haben: Das Nachahmspiel läuft von selbst, sobald es angestoßen ist.
Die drei Sounds, mit denen alle Spiele arbeiten, zeigen wir in den Kursvideos — kostenlos, ohne Anmeldung, auch zum Vorspielen im Unterricht.
Spiele, die Material brauchen
Das didaktische Konzept hinter diesen Übungen haben Thomas Rieder und Werner David Wiechenthaler gemeinsam entwickelt und in Workshops seit 2006 erprobt. Daraus entstand auch „The Real Beatbox School“, erschienen beim Doblinger Musikverlag Wien.
Weitere Übungen
Alle Übungen im Überblick: Beatbox-Übungen für Gruppen.