Kreativ

Klanggeschichten mit dem Mund

Eine Geschichte schreiben und vertonen — ohne Instrumente, ohne Vorbereitung. Verbindet Musik mit Deutsch und funktioniert ab der Volksschule.

Die Klanggeschichte ist ein alter Bekannter im Musikunterricht, meist mit Orff-Instrumenten. Mit Beatbox-Sounds braucht sie kein Material, keinen Aufbau und keinen Instrumentenschrank — und sie lässt sich in jedem Klassenzimmer machen.

Der Ablauf

Gruppen von vier bis fünf Kindern. In jeder Gruppe schreibt jemand die Geschichte auf, jemand liest sie später vor, und zwei vertonen sie mit Sounds — wie eine kleine Theateraufführung.

Damit die Gruppen nicht vor dem leeren Blatt sitzen, gib ein paar Geräusche vor. Der Rest kommt von allein; Kinder sind beim Erfinden von Sounds erfindungsreicher als die meisten Erwachsenen.

Sounds zum Vorgeben

Eine Klanggeschichte als ZeitleisteDrrWeckerb b b baufstehenSchuiWindBrrmAutoDrrSchulglocke
Eine Tagesgeschichte in fünf Geräuschen — so entsteht der Ablauf.
b - b - b - b     = gehen
Schui             = Wind
Brrr              = es ist kalt
Drr               = Schulglocke
ts - ts - ts - ts = tickende Uhr
Brrm              = ein Auto

Diese sechs reichen als Starthilfe. Sobald eine Gruppe merkt, dass sie Geräusche selbst erfinden darf, hört sie nicht mehr auf.

Achte darauf: Die Aufgaben in der Gruppe vorher verteilen — wer schreibt, wer liest, wer vertont. Sonst schreiben alle und niemand übt die Sounds.

Zwei Varianten

Die Reizwortgeschichte

Du gibst drei bis vier Wörter vor, die vorkommen müssen. Das nimmt den Gruppen die Entscheidung ab, worum es gehen soll, und beschleunigt den Einstieg erheblich. In Deutsch ist die Reizwortgeschichte ohnehin eine bekannte Übungsform — hier bekommt sie eine Tonspur.

Die Tagesgeschichte

Hier wird nichts erfunden. Die Kinder erzählen ihren eigenen Tagesablauf — vom Aufstehen über das Zähneputzen bis zum Schulweg — und vertonen ihn. Das ist niederschwelliger als eine erfundene Geschichte und funktioniert auch mit Gruppen, die sich beim freien Schreiben schwertun.

Eine Variante davon: ein vergangenes Erlebnis mit Sounds erzählen. Der Urlaub, das Fußballspiel, der Gewitterabend.

Warum das im Deutschunterricht genauso zählt

Die Klanggeschichte ist einer der wenigen Anlässe, bei denen Kinder einen Text schreiben und ihn danach wirklich vorlesen — vor Publikum, mit einer Aufgabe dahinter. Das verändert die Art, wie sie schreiben. Sätze werden kürzer, Verben konkreter, weil man merkt, dass sich „er ging langsam“ schlechter vertonen lässt als „er schlich“.

Dazu kommt die phonologische Seite: Wer Geräusche mit dem Mund nachbaut, hört genauer auf Laute. Das ist beim Spracherwerb nicht nichts, und es ist einer der Gründe, warum Beatbox in der Volksschule funktioniert, wo Notenlesen noch keine Rolle spielt.

Die Präsentation

Jede Gruppe führt ihre Geschichte vor. Applaus schon beim Vortreten, nicht erst danach — das nimmt den Druck. Wenn ein Mikrofon da ist, verwende es; für viele Kinder ist das der eigentliche Höhepunkt der Stunde.

Achte darauf: Jeder Gruppe die Möglichkeit geben, sich zu präsentieren. Eine Klanggeschichte ohne Publikum ist eine halbe Übung.

Die Grundsounds, aus denen sich alle Geräusche bauen lassen, zeigen wir in den Kursvideos — kostenlos und ohne Anmeldung.

Zu den Videos

Das didaktische Konzept hinter diesen Übungen haben Thomas Rieder und Werner David Wiechenthaler gemeinsam entwickelt und in Workshops seit 2006 erprobt. Daraus entstand auch „The Real Beatbox School“, erschienen beim Doblinger Musikverlag Wien.

Weitere Übungen

Alle Übungen im Überblick: Beatbox-Übungen für Gruppen.